Retro: Produkte, die Jugendliche nicht mehr kennen

1. Heimcomputer

Commodore 64Bevor ab den 90ern das PC-Einerlei vorherrschte, gab es ab Ende der 70er viele interessante Computer. Diese Heimcomputer wurden, wie der Name schon suggeriert, hauptsächlich zu Hause verwendet. Sie wurden aber auch häufig in Schulen und teilweise auch in Büros eingesetzt. Als günstige Alternative zu den damals sehr teuren „professionellen“ Geräten (den ersten günstigen IBM PC gab es erst 1983 und kostete ca. 2500 US$) waren sehr günstige Heimcomputer bereits ab ca. 200 DM zu haben (ein voll ausgestatteter C64 kostete trotzdem immerhin knapp 2000 DM).

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Der neue Retro Computer Commander X16

Seit 2019 arbeitet David Murrays (alias The 8-Bit Guy) an seinem Traumcomputer, den Commander X16. Der Rechner basiert zum Teil auf klassischer 8-Bit Technik und soll nicht nur als Lehrmittel dienen, sondern auch ein „aktuelles“ 8-Bit System sein, für das man heute noch günstig entwickeln kann.

Video: Der Bau meines Traumcomputers – Teil 1, The 8-Bit Guy, YouTube

Der X16 besteht aus Bauteilen, die heute noch verfügbar sind. Er besitzt eine „echte“ CPU und keine Emulation oder FPGA-Nachbildung eines Prozessors. Als Grafikprozessor wird ein FPGA eingesetzt. Der X16 soll später günstig genug sein, dass er für viele Anwender interessant ist, und einfach genug zu programmieren, dass im Laufe der Zeit mit umfangreicher Software zu rechnen ist. Programmiert wird der X16 mit dem Commodore BASIC V2, das um einige Features ergänzt wurde.

Die Hardware soll folgende Features bieten:

CPU: WDC 65C02S @ 8 MHz
RAM: 40K „Low RAM“, 512K „High RAM“erweiterbar auf 1 MB, 1,5 MB oder 2 MB
ROM: 512K Flash ROM, Standard Commodore Kernal, Microsoft BASIC version 2.0
Erweiterung: 4x Expansions Slots, User Port
Eingabegeräte: PS/2 Keyboard, PS/2 Maus, 2x SNES Game Ports
Speicher: IEC kompatibel (Commodore) Disk Drive, interne SD Card
Audio: Yamaha YM2151, SID-ähnliche Implementierung in VERA FPGA
„VERA“ Module: Video Generator mit VGA, NTSC Composite, NTSC S-Video, RGB video (640×480@60Hz), Video RAM 128 KB, 256 aus 4096 Farben, 16-Kanal Stereo Sound Generator, High Quality PCM Audio

Obwohl auf dem X16 das Commodore BASIC läuft, ist er nicht mit dem C64 oder einem anderen existierenden 8-Bit Computer kompatibel. Der X16 ist ein eigenständiges System, welches aber nah genug an der klassischen Technik ist, dass bestehende Software vermutlich leicht angepasst werden kann.

Video: Der Bau meines Traumcomputers – Teil 2, The 8-Bit Guy, YouTube

Aktuell ist noch kein Erscheinungstermin bekannt. Geplant ist, dass der Rechner in drei Ausprägungen erscheinen soll: X16, X16C, X16E. Der X16E soll später unter 99 USD kosten.

Ein Emulator und etwas über 150 Programme können hier bereits heruntergeladen werden. Wer möchte, kann den X16 auch online ausprobieren.

Mehr Informationen unter commanderx16.com

Bilder: commanderx16.com

Bild des Tages: IBM Modell 350 Disk Storage Unit

IBM 305 RAMACDer IBM 305 RAMAC (random-access method of accounting and control), der am 13. September 1956 erstmals vorgestellt wurde, war der erste kommerziell erfolgreiche Computer, der über eine Festplatte als Speichereinheit verfügte. Er konnte bis zu zwei dieser Speichereinheiten des Modells 350 Disk Storage Unit ansteuern. Eine Festplatte konnte knapp 5 Mio. Zeichen á 7 Bit speichern, was umgerechnet ca. 4,3 MByte entspricht, und bestand aus 50 Platten, die in 50.000 Blöcke mit jeweils 100 Zeichen aufgeteilt waren. Die gesamte Konstruktion wog über eine Tonne.

Das Bild rechts zeigt den IBM 305 RAMAC mit einer „Festplatte“ vom Modell 350 in der Mitte.

Mehr über die Geschichte von IBM in diesem Beitrag.

Bild: IBM 305 RAMAC, Wikimedia, Foto von U. S. Army Red River Arsenal, Public Domain

Retro: Die Top 5 der aus heutiger Sicht lächerlichsten Indizierungen

In den 1980ern wurden einige Spiele indiziert, die heute wohl kaum noch jemand auf den Index für jugendgefährdende Medien setzen würde.

River Raid (bis 2002)

In River Raid steuert der Spieler aus der Vogelperspektive ein Flugzeug über einen Fluss und versucht eine größtmögliche Punkteanzahl durch das Abschießen gegnerischer Flugkörper und Schiffe zu erzielen.

In der Begründung des Indizierungsbeschlusses der BPjS vom 19. Dezember 1984 hieß es unter anderem: „Jugendliche sollen sich in die Rolle eines kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken […]. Hier findet im Kindesalter eine paramilitärische Ausbildung statt […]. Bei älteren Jugendlichen führt das Bespielen […] zu physischer Verkrampfung, Ärger, Aggressivität, Fahrigkeit im Denken […] und Kopfschmerzen.“

Barbarian (bis 2012)

In Barbarian bekämpfen sich zwei Schwertkämpfer. Ziel ist es diverse Gegner zu besiegen, um final den Zauberer „Drax“ zu besiegen und „Prinzessin Marina“ zu befreien.

Das Spiel wurde oftmals wegen seiner Brutalität kritisiert. So war es möglich, den Kopf seiner Gegner abzuschlagen. Nach 25 Jahren wurde die Indizierung im September 2012 aufgehoben, obwohl „‚Nackenschlag‘ oder ‚Todeswirbel‘ geben den tödlichen Ernst des Spiels nicht wieder.“

Raid Over Moscow (bis 2010)

Raid Over Moscow wurde während des Kalten Kriegs auf dem Markt gebracht. In dem Spiel muss der Spieler versuchen drei Angriffe der Sowjetunion auf Nordamerika abzuwehren. Fünf Actionszenen inklusive Ballerei an der Kremlmauer begeisterten etliche Spieler und entsetzten Jugendschützer.

Die Indizierung des Spiels wurde im Juli 2010 von der BPjM nach 25 Jahren aufgehoben.

Skyfox (bis 2010)

Skyfox war ein Actionshooter mit Cockpit-Ansicht und Simulationselementen. Durch die Möglichkeit verschiedene Missionen auszuwählen und verschiedene Waffensysteme einzusetzen war Skyfox anspruchsvoller als handelsübliche Ballerspiele. Insgesamt war es für die damalige BPjS viel zu realistisch:

„Die Anwendung von kriegerischer Gewalt und mithin das Töten erfährt im Spiel ‚Raid over Moscow‘ eine qualifizierte positive Bewertung. Die kriegsverherrlichende bzw. verharmlosende Tendenz dieses Computerspiels wird nicht dadurch gemildert, dass der Spieler den Kampfauftrag verfolgt, um die westliche Hemisphäre zu retten.“

Die Indizierung des Spiels wurde im Dezember 2010 von der BPjM nach 25 Jahren aufgehoben.

Battlezone (bis 2009)

Battlezone ist eine 3D-Panzersimulation, die im Jahr 1980 in die Spielhallen kam. Die Umsetzung für den Atari 2600 landete auf dem Index. Im Antrag hieß es: „Durch die Vision, dass der Spieler über mehrere Leben verfüge, vermittele das Spiel dem Spieler eine Scheinwelt, die mit der Realwelt nicht mehr in Einklang zu bringen ist. Das Spiel ist eine paramilitärische Ausbildung. … [Das Spiel] lässt kriegerische Kampfhandlungen als positiven Wert erleben, Kriegsgeschehen wird als besonders reizvoll dargestellt“ und der Spieler wird „an kriegerischen
Vernichtungshandlungen beteiligt, die er aufgrund der Ausgangssituation im Spielverlauf aktiv mitgestaltet und nachvollzieht“

Neue Firmware v.17 des Retro Chip Testers mit zahlreichen Erweiterungen

Heute wurde die Firmware v.17 veröffentlicht. Es ist ein größeres Update mit vielen neuen Features und Optimierungen. Insbesondere die Logik-Tests wurden stark erweitert und viele Tests wurden zudem mit realen Chips überprüft.

Zudem wächst die Community, die den Tester benutzt, ständig weiter. Waren es zunächst hauptsächlich Anwender aus der Heimcomputer-Szene, kommen nun verstärkt Anwender aus dem Bereich Flipper und Arcade-Automaten sowie Synthesizer-/Studiotechnikszene hinzu.

Wie in jedem Firmware-Update sind wieder neue Speicherchips implementiert worden:

FIFO-RAMs:
– 40105
– 74222, 222, 224, 225, 227, 228, 229, 232, 233, 234, 235, 236, 413
– 747403, 747404

Character ROMs:
– RO-3-2513 (nur 5V), RO-3-2513 mit adapter (5V/-5V/-12V), MCM6670, MCM6674, SCM37530

NOVRAMs:
– X20C04, X20C05, X20C16, X20C17, X2210, X2212

DRAMs:
– 4408NLT/4408NLB (8k x 4) (noch nicht getestet, dieser RAMs wurden im Alice 90 und EXL-100 verwendet)

SRAMs:
– GTE/EMM4200/4300, GTE/EMM4801, GTE/EMM8108, KM658128, TC5047, uPD445

ROMs:
– 74186

EPROMs:
– TMS2564

Einige dieser ICs sind, da sie recht exotisch sind, als externe Definitionen verfügbar:
Getestet:
– AS6C4008, P4C1048, F7447APC, BS62LV4006, CYM1464, CYM1465 (512k x 8 – SRAM)
– GTE 3539 (256 x 8 – SRAM)
– SMJ44400, TC514400, HM514400 (1024k x 4 – DRAM)
– TC5047, uPD445 (1k x 4 – SRAM)
– TC5516, LC3516 (2k x 8 – SRAM)
– X2210, X22C10 (64 x 4 – NOVRAM)
– X2212, X22C12 (256 x 4 – NOVRAM)
Ungetestet:
– 74LS208 (256 x 4 – SRAM)
– 74LS216, 74LS316 (64 x 4 – SRAM)
– 74LS217, 74LS317 (64 x 4 – SRAM)
– 74LS218, 74LS318 (32 x 8 – SRAM)
– 74F211, 74F311 (16 x 9 – SRAM)
– 74F212, 74F312 (16 x 9 – SRAM)
– 74F213, 74F313 (16 x 12 – SRAM)
– A6173081, HY638100, IS63C1024 (128k x 8 – SRAM)
– AS5C2008 (256k x 8 – SRAM)
– CY7C188 (32k x 9 – SRAM)
– CY7C1001, CY7C1002 (256k x 4 – SRAM)
– CY7C1014 (256k x 4 – SRAM)
– CY7C1016 (256k x 4 – SRAM)
– CY7C1088 (128k x 9 – SRAM)
– EMM4200, EMM4300 (4k x 1 – SRAM)
– EMM4801 (4k x 1 – SRAM)
– EMM8108 (1k x 8 – SRAM)
– HM6503H (2k x 1 – SRAM)
– HM6503L (2k x 1 – SRAM)
– HM6533 (1k x 4 – SRAM)
– KM658128 (32k x 8 – PSRAM)
– MK4816 (2k x 8 – PSRAM)
– P4C107 (1024k x 1 – SRAM)
– P4C163, CY7C182 (8k x 9 – SRAM)
– TC4036 (4 x 8 – SRAM)
– TMS4047 (1k x 4 – SRAM)
– X2004, X20C04, X20C05 (512 x 8 – NOVRAM)
– X2016, X20C16 (2k x 8 – NOVRAM)
– X2017, X20C17 (2k x 8 – NOVRAM)

Einige (P)ROMs können jetzt noch komfortabler ausgelesen werden. Bisher konnte schon aus mehreren Profilen ausgewählt werden, wie die unterschiedlichen CE/CS Signale behandelt werden sollen. Nun gibt es zusätzlich eine „Autodetection“, die sehr sicher erkennt, ob ein Signal high- oder low-Aktiv sein muss.

Es wurden viele Logik-Chips hinzugefügt:

– 74H71, 7497, 118, 119, 222, 224, 227, 228, 286, 412, 575, 673, 808, 810, 832, 900(ALS), 902(ALS), 903(ALS), 9034, 9035, 9114, 9115, 9134, 9135, 9240, 9244, 9245, 8T28, 8T95, 8T96, 8T97, 8T98, 8212, 81LS95, 81LS96, 81LS97, 81LS98, MC6880, MC6885, MC6886, MC6887, MC6888, MC6889
– 4007, 40102, 40103, 40116, 4598, ULN2074, ULN282x, UDN6118, 75460, 75461, 75462, 75463, 75464, 75468, CA3081, CA3082

Und es wurden ein paar Logik-Chips korrigiert:

– 74115, 173, 299, 465, 597, 669, 4055, 4056, 40105, 4514, 4515

Zum einfachen Verlinken wurden zwei Kurzlinks eingerichtet:
http://8bit-museum.de/rct (Englisch)
http://8bit-museum.de/rctd (Deutsch)

Tipp: Laser-Sucht

Stage 2 Level 61982 macht die Videospielindustrie dreimal soviel Umsatz wie das Film-Business mit doppelt so vielen Automaten gegenüber 1980. Obwohl es kein Desaster bei den Automatenspielen gibt, wie bei ihren kleinen Brüdern, den Heimvideospielen, brechen die Umsätze 1983 plötzlich ein. Selbst wenn Hits wie Star Wars, TRON und Zaxxon weiterhin für regen Umsatz sorgen, fällt dieser auf 40% und Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 50% der Spielhallen noch in diesem Jahr schließen werden.

Im Juli 1983, genauer gesagt bereits am 1.7.1983, kommt Dragon’s Lair in die Spielhallen. Der Automat verursacht soviel aufsehen, dass die Betreiber teilweise einen Zusatzbildschirm anschließen, damit die Menschenmenge um den Automaten das Spielgeschehen beobachten kann.

Don Bluth, begeistert von der Laser-Disc-Technologie, entwickelt zusammen mit Rick Dyer dieses animationsreiche Action-Spiel. Ungeachtet dessen, dass die Automaten aufgrund der aufwendigen Technik sehr viel teurer sind und damit auch die Spiele, obwohl sie bei unerfahrenen Spielern teilweise nur wenige Sekunden dauern, ist Dragon’s Lair ein Erfolg und der Automat ständig umlagert.

Zum Artikel: Arcade Spiele – Laser-Sucht